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Wer an Rugby denkt, denkt zuerst vor allem an eines: Breite Männer, die mit voller Wucht ineinander laufen und versuchen, eine Lücke in die gegnerische Wand aus Spielern zu reißen.

Dieses Klischee hat natürlich seine wahren Züge. Rugby ist ein sehr körperlicher Sport, die Athleten sind topfit und breiter als ein Wandschrank. Denn im Gegensatz zum etwas technischeren American Football dominiert beim Rubgy vor allem die Physis.

Dennoch ist Rugby kein herrenloses "Gekloppe", sondern unterliegt wie jede andere Sportart auch strengen Regeln und hat viel mit Technik und vor allem Taktik zu tun.

SPORT1 stellt die in Deutschland immer populärere Sportart vor, erklärt seine Geschichte und präsentiert die verschiedenen Varianten, wie Rugby gespielt werden kann:

Die Geschichte des Rugbys

Die Geschichte des Rugbys ist sehr eng mit der Entstehung des Fußballs verknüpft. Eine weit verbreitete Legende besagt, dass der Sport während eines Fußballspiels in der englischen Stadt "Rugby" nahe dem Fluss Avon entstand.

Die Mannschaft von William Webb Ellis lag demnach in dem Spiel im Jahr 1823 zurück und stand kurz vor einer Niederlage, als Webb Ellis den Ball packte und mit den Händen in das Tor des Gegners legte.

Zwar bestehen bis heute Zweifel an dieser Legende, jedoch ist die Weltmeisterschaft der Rugby Union – der Webb Ellis Cup – noch in diesen Tagen nach dem "Gründervater des Rugby" benannt.

Im Mutterland des Fußballs entstand nach Streitigkeiten mit dem englischen Fußballverband FA im Jahre 1871 mit der Rugby Football Union (RFU) ein eigener Rugby-Verband, der infolge der Trennung die Regeln des Rugbys standardisierte.

Nach einer weiteren Trennung spaltete sich ein Teil der RFU ab und gründete mit eigenen Regeln die Rugby League, eine zweite Spielvariante. Bis heute existieren beide Varianten des Rugbys nebeneinander.

Bemerkenswert: Aus dem Rugby entwickelten sich etwa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nordamerika die sehr ähnlichen Sportarten American Football und Canadian Football, die Übersee den Rugby in der sportlichen Wichtigkeit deutlich überflügelten.

Die Grundlagen des Rugbysports

Zwar gibt es, wie weiter unten detailliert aufgeführt, verschiedene Varianten des faszinierenden Sports, eines haben jedoch alle Variationnen gemeinsam – den Spielball, der ein wenig an ein Ei erinnert.

Hauptziel des Spiels ist es, das Spielgerät am Gegner vorbei zu tragen, oder durch zwei Stangen zu kicken und somit Punkte für die eigene Mannschaft zu erzielen.

Dafür hat man beim Rugby verschiedene Möglichkeiten:

Um einen Versuch (try) zu erzielen, muss eine Mannschaft den Ball im generischen Malfeld – im Football auch Endzone genannt – auf den Boden legen. Es reicht nicht, den Ball nur in der Luftlinie in das Feld zu tragen (wie etwa beim American Football). Er muss tatsächlich am Boden abgelegt werden. Ein Versuch wird mit fünf Punkten gewertet.

Nach einem erfolgreichen Versuch hat das Team die Möglichkeit, den Ball durch die zwei Stangen zu kicken und so eine Erhöhung (conversion) zu erzielen. Eine Erhöhung wird mit zwei weiteren Punkten belohnt.

Bei einem Sprungtritt (dropkick) tritt der Spieler den Ball, der zuvor den Boden berühren muss, im laufenden Spiel zwischen die Stangen. Dafür erhält man drei Punkte.

Ein Straftritt (penalty kick) wird dagegen von dem Punkt ausgeführt, wo die gegnerische Mannschaft einen Regelverstoß begangen hat und fügt dem eigenen Punktekonto ebenfalls drei Zähler hinzu.

Der Ball darf beim Rugby nur nach hinten geworfen werden. Wird er regelwidrig nach vorne geworfen, entscheidet der Schiedsrichter auf Gedränge (scum), bei dem acht Spieler jeder Mannschaft in einer Art Kräftemessen "um den Ball schieben". Das Treten des Balles ist im Gegensatz zum Werfen in alle Richtungen erlaubt.

Beim Rugby darf immer nur der ballbesitzende Spieler von den Gegnern getacklet werden. Der Spieler muss nach dem Tackle, wenn er mit einem anderen Körperteil als den Füßen den Boden berührt, den Ball sofort loslassen, darf auch nicht mehr danach greifen.

Die Rugby-Varianten

Wie oben bereits erwähnt, gibt es zwei grundlegende Varianten des Sport, die sich aufgrund der Trennung beider Verbände ergeben haben.

Dabei ist der Rugbysport nach Version der Rugby Union – das "Fünfzehnerrugby" – auch heute noch deutlich weiter verbreitet als die Version der Rugby League ("Dreizehnerrugby").

Aus dem ursprünglichen Sport der Rugby Union mit 15 Spielern hat sich mittlerweile eine Variante entwickelt, die sogar olympisch ist und den Fidschi-Inseln im Sommer 2016 ihre erste olympische Goldmedaille überhaupt einbrachte – das 7er-Rugby.

Aber auch weitere Varianten des Sports sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden:

  • Im Beachrugby spielen die Akteure Rugby im Sand
  • Das Touch Rugby ist eine Variante, die aus der Rugby League entstand und mit sehr wenig Körperkontakt gespielt wird
  • Im Tag Rugby geht man sogar noch eine Stufe weiter und spielt komplett ohne Körperkontakt
  • Beim Rollstuhlrugby spielen körperlich beeinträchtigte Sportler mit einem gepanzerten Rollstuhl Rugby – die Sportart ist sogar paralympisch

Es existieren weitere Varianten des Rugbys mit zwölf oder zehn Spielern, die allerdings kein eigenes Regelwerk haben und nach den Regeln der Rugby Union gespielt werden.

Positionen der Spieler im Rugby Union

Beim Rugby wird die Position eines Spielers durch die Nummer angezeigt, die er auf dem Trikot trägt – sie hat also deutlich mehr Bedeutung als beim Fußball. Grundsätzlich kann man die Spieler beim Rugby in die Hintermannschaft (backs) und die Stürmer (forwards) unterteilen.

Die Stürmer sind meist größer gewachsen als die Spieler der Hintermannschaft und haben die Aufgabe, den Ball zu sichern, insbesondere aus einer Gasse oder dem Gedränge heraus. Die Hintermannschaft hat die Aufgabe, den von den Stürmern eroberten Ball aufzunehmen und Punkte zu erzielen.

Eine besondere Rolle kommt dabei der "Nummer Acht" (Number Eight) zu. Ein Spieler auf dieser Position sollte die Stärke eines Stürmers und die Technik eines Backs vereinen und kontrolliert die Bewegung des Gedränges.

Eine weitere wichtige Position ist der "Fly-Half", der der Dreh-und Angelunkt einer Mannschaft ist und die meisten taktischen Anweisungen gibt. Der Fly-Half gehört zur Hintermannschaft.

Rugby in Deutschland und der Welt

Im deutschsprachigen Raum versteht man unter dem Begriff Rugby vor allem die Ausübung nach Regelwerk der Rugby Union. Bemühungen, eine Rugby-League-Kultur im deutschen Raum zu etablieren, existieren zwar auch, noch dominiert aber das 15er-Rugby.

Die deutsche Nationalmannschaft etabliert sich sukzessive unter den besseren Teams in Europa, wartet aber noch auf die erste WM-Teilnahme. Der größte Erfolg datiert noch aus dem Jahre 1900, als man in Paris Olympisches Silber erringen konnte.

Zudem feiern gerade körperlose Varianten wie das Touch Rugby an vielen Schulen in der Bundesrepublik – ähnlich wie "Flag Football" anstelle von American Football – erste Erfolge.

Sonst ist Rugby vor allem in Ländern des britischen Commonwealth und auf vielen Ländern der Südhalbkugel beliebt. Nationen wie Neuseeland mit ihrem weltberühmten Haka-Tanz, Australien, aber auch Südafrika und Argentinien gehören seit Jahren zu den besten Rugby-Mannschaften der Welt.

Zu den stärksten Ländern in Europa zählen neben Frankreich und England auch die walisischen, irischen und italienischen Rugby-Teams.

Aktuelle Stars im Rugby

Seit 2014 verleiht "World Rugby", der Weltverband der Rugby Union, jährlich den Titel für den besten Rugby-Spieler des Jahres.

Nachdem von 2012 bis 2017 der Titel stets nach Neuseeland ging, konnte Jonathan Sexton (Irland) diese Vorherrschaft brechen und sich den Titel des World Player of the Year 2018 sichern

Aber insgesamt dominieren die "All Blacks", wie das Nationalteam der Neuseeländer genannt wird, die seit 2001 ausgetragene Wahl. Zehn von 18 Titel gingen an einen Mann aus dem ozeanischen Land.

Zu den besten Spielern der Welt gehört zweifelsohne der zweifache Titelträger Dan Carter, der als Fly-Half oder Inside Centre spielen kann, mittlerweile aber nicht mehr für die Nationalmannschaft aufläuft.

Weitere Stars sind der Australier David Pocock (Openside Flanker), der Italiener Sergio Parisse (Number Eight) und der Südafrikaner Bryan Habana (Wing).